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Zuhause auf Zeit – Zuhause fürs Leben

Zwölf Jahre bin ich nun schon in einer Familiengruppe, für mich ist es immer noch etwas surreal zwei Drittel meines Lebens hier verbracht zu haben. Oder mit anderen Worten es ist komisch sich daran zu erinnern, nicht hier gelebt zu haben. Mein Verständnis von „Zuhause“ ist unabdingbar an die Familiengruppe gebunden. Auch wenn ich guten Kontakt zu meiner richtigen Familie habe, hat die Familiengruppe dennoch einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Als ich zuerst hier ankam, war ich verständlicherweise etwas verängstigt, schließlich war es ein komplett neues Umfeld von fremden Menschen. Doch ich wurde mit offenen Armen empfangen, was mir die Trennung von meinen Geschwistern erleichterte. Natürlich sah ich meine Familie übers Jahr verteilt immer mal wieder. Festtage feierte ich quasi immer zweimal, einmal mit meiner Familie und einmal mit meiner Familiengruppe. Klar war es nicht immer einfach, ich war schon recht nervenaufreibend als Kind würde ich sagen, aber egal wie viel Probleme ich verursachte, ich hatte immer Hilfe sie zu bewältigen. In manchen Lebensbereichen, wie der Schule, hatte ich zwar wenig Probleme, aber dafür in vielen anderen, besonders in sozialen Interaktionen. Mittlerweile hat sich das zum Glück gebessert, auch wenn ich weiterhin eher introvertiert bin.

„Ohne diese Hilfe wäre
ich wahrscheinlich ein
komplett anderer Mensch
geworden.“

Doch man muss dazu sagen, dass ich viel Glück hatte. Schließlich blieb ich immer in derselben Familiengruppe, ein Privileg was nicht jeder mit ähnlichem Schicksal teilt. Dennoch vermittelte mir dieser Umstand eine Sicherheit, während die Welt um mich herum strukturiert und vertraut blieb, konnte ich mein inneres Chaos beheben. Hierfür wurde mir auch Hilfe angeboten, denn ich konnte mehrere Jahre lang zur Therapie gehen, um mein Trauma aufzuarbeiten. Mittlerweile soll es ja eher schwierig sein Therapieplätze zu bekommen, dementsprechend bin ich sehr dankbar, dass ich auch dieses Privileg genießen durfte. Ohne diese Hilfe wäre ich wahrscheinlich ein komplett anderer Mensch geworden.

Doch auch wenn diese Struktur zwar vorhanden war, veränderte sich doch schon vieles. Über die Zeit lebten noch andere, wie ich, mit mir in der Familiengruppe und wir nahmen immer mal wieder welche kurzzeitig auf. Zudem gab es auch Mitarbeiter, welche zwar nicht mit uns wohnten, aber uns dennoch unterstützten. Dadurch lernte ich viele verschiedene Menschen kennen mit unterschiedlichen Problemen und anderen Persönlichkeiten. All das mündet schließlich darin, dass ich hoffentlich bald mein Abitur abschließe und studiere. Das könnte ich vermutlich niemals angehen, ohne die Unterstützung, welche ich genießen durfte und noch weiterhin genießen darf. Dafür bedanke ich mich vom ganzen Herzen.

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